➡️ Folge 143 –
Dein Weg zum Superhelden auf sechs Pfoten: Hundeerziehung mit Herz und Verstand
Der Moment, in dem die kleine Fellnase das erste Mal über die Türschwelle trippelt, ist magisch. Ein Welpe bringt pures Glück, weiches Fell und diesen unwiderstehlichen Hundeblick ins Haus. Doch machen wir uns nichts vor: Schnell folgt auf die erste Euphorie die Realität. Wenn die dritte Pfütze auf dem teuren Teppich landet, die neuen Sneaker als Kauknochen zweckentfremdet werden und der kleine Wirbelwind beim Spaziergang alles im Kopf hat “nur nicht dich” dann liegen die Nerven erst mal blank.
Vielleicht hast du dich auch schon dabei ertappt, wie du spätabends verzweifelt das Internet durchforstest:
„Hilfe, mein Welpe hört nicht!“
„Wann wird mein Hund endlich stubenrein?“
„Was tun, wenn er an der Leine zieht wie ein kleiner Ochse?“
Viele Neuhundebesitzer suchen nach Sicherheit, Qualität und vor allem Geborgenheit für ihr neues Familienmitglied. Man möchte alles richtig machen, fühlt sich aber zwischen all den Ratgebern oft verloren.
Hundeerziehung wird oft fälschlicherweise als das bloße Abspulen von Signalen wie „Sitz“ oder „Platz“ verstanden.
Doch wie Hundetrainerin Claudia Pauliks betont, steckt viel mehr dahinter: Es geht darum, ein Superheld für deinen Hund zu werden. Das bedeutet nicht, dass du ein Cape tragen musst (obwohl das sicher lustig aussähe), sondern dass du Hundetraining ganz entspannt in deinen Alltag einbindest.
Statt auf starre Regeln zu setzen, arbeiten wir zuerst an der Beziehung. Das Ziel ist eine Bindung, durch die ihr gemeinsam durch dick und dünn gehen könnt, basierend auf tiefem gegenseitigem Vertrauen. Dabei ist liebevolle Konsequenz das Zauberwort. In diesem Artikel erfährst du, warum Erziehung mehr ist als nur Dressur und was ein kleines Sparschwein mit deinem Trainingserfolg zu tun hat.
Möchtest du wissen, wie du die Basis für ein entspanntes Leben mit deinem Hund legst?
Dann lass uns gemeinsam in die Welt der „sanften Blockaden“ und Vertrauenskonten eintauchen. In der aktuellen Folge des Trust the Dog Podcasts plaudern Claudi, die erfahrene Hundetrainerin, und Bienie, die liebevolle Hundehalterin, genau über diesen Herzenskern der Erziehung. Claudi erklärt dabei ein Bild, das sie auch in ihrem neuen Buch „Hundeerziehung leicht gemacht“ verwendet und das jedem Neuhundebesitzer sofort ein Licht aufgehen lässt: das Vertrauensschweinchen.
Stell dir eure Beziehung wie ein gemeinsames Sparkonto vor, das ihr täglich füttert.
Einzahlungen: Jedes Mal, wenn ihr gemeinsam richtig spannenden Spaß habt, ausgiebig kuschelt oder du deinem Hund etwas Tolles zu futtern gibst, wandert eine „dicke Münze“ in das Schweinchen. Auch wenn du als Superheld für deinen Hund da bist und ihm Sicherheit schenkst, füllt sich das Konto.
Auszahlungen: Das Leben ist nicht immer nur Sonnenschein. Wenn du deinen Hund mal anzickst oder eine blöde Situation passiert, wird etwas vom Guthaben abgehoben.
Die wichtigste Botschaft von Claudi und Beni aus dem Podcast lautet: „Aber bitte nicht ins Minus!“.
Nur wenn das Konto gut gefüllt ist, habt ihr eine Basis, die auch in schwierigen Momenten hält. Ein prall gefülltes Schweinchen sorgt dafür, dass dein Hund dir vertraut und ihr gemeinsam durch dick und dünn geht.
Dass dieser Weg funktioniert, sieht man besonders an Claudias Hündin Teufelchen. Obwohl sie anfangs sehr skeptisch war und bei zu viel Nähe eher die „Hab-Acht-Haltung“ einnahm, ist ihr Vertrauenskonto heute so weit gefüllt, dass sie sogar mit zur Hundeschule kommen kann. Erziehung beginnt also nicht mit dem Drill, sondern mit der Entscheidung, jeden Tag ein bisschen mehr Vertrauen in dieses kleine Schweinchen zu werfen
Die „Sanfte Blockade“: Warum du dich einfach mal auf die Leine stellen solltest
Ein riesiges Thema, das viele Neuhundebesitzer schlaflose Nächte bereitet, ist die Aufregung bei Hundebegegnungen. Dein Welpe sieht einen anderen Menschen oder einem Hund und mutiert sofort zum Flummi, springt hoch oder will mit aller Kraft dorthin. Im Podcast stellt Bienie fest, dass man in solchen Momenten oft zu spät schaltet und sich hinterher denkt: „Mist, ich hätte mich einfach auf die Leine stellen sollen!“.
Claudi erklärt in ihrem Buch “Hundeerziehung leicht gemacht” und in der Podcastfolge eine Methode, die sie die „sanfte Blockade“ nennt:
Sei der Baum: Anstatt den Hund aktiv zurückzuziehen “was wir Menschen leider viel zu oft tun” wirst du einfach standhaft wie ein Baum.
Die Technik: Du stellst dich mit einem oder beiden Füßen fest auf die Leine, hältst sie aber unbedingt trotzdem in der Hand, damit sie nicht unter der Sohle wegrutscht.
Der richtige Spielraum: Wähle den Abstand so, dass dein Hund bequem aufstehen und sich wieder hinsetzen kann, ohne dass Zug auf dem Geschirr entsteht. Er soll sich aber nicht weit nach vorne bewegen können.
Selbstbegrenzung: Läuft der Hund nun nach vorne, setzt er sich durch die fixierte Leine selbst die Grenze. Du musst nicht rucken oder schimpfen; die Leine gibt einfach nicht nach.
Diese Methode ist eine enorme Entlastung für dich und deinen Hund.
Du nimmst ihm in stressigen Situationen die Entscheidung ab, wie er sich verhalten soll, und verhinderst gleichzeitig, dass er andere Menschen durch Anspringen belästigt. Das ist gelebte liebevolle Konsequenz: Du schützt deinen Hund vor sich selbst und wirst in seinen Augen zum souveränen Superhelden, der die Lage im Griff hat.
Es ist viel klarer für den Hund zu verstehen, wenn eine Grenze „starr“ wie bei einem Baum ist, anstatt dass wir mit dem Arm ständig nachgeben oder herumfuchteln. Probiere es beim nächsten Mal einfach aus, es spart Nerven und füllt ganz nebenbei wieder eine Münze in euer Vertrauensschweinchen.
Kreatives Hundetraining: Warum Belohnung mehr als nur ein Leckerli ist
In der Podcast-Folge räumen Claudi und Bienie mit dem Vorurteil auf, dass Hundeerziehung eine staubtrockene Angelegenheit sein muss. Wer ein echter Superheld für seinen Vierbeiner werden will, darf und sollte im Alltag kreativ werden. Ein wichtiger Schlüssel zur erfolgreichen Leinenführigkeit und einer entspannten Grunderziehung ist die Frage: Was motiviert meinen Hund eigentlich wirklich?.
Oft denken wir bei Belohnung sofort an die klassische Futtertube oder den Keks. Doch Claudi erklärt, dass wir viel öfter um die Ecke denken sollten. Für den einen Hund ist eine leere Eierpappe zum Schreddern das Größte, für den anderen ist es das gemeinsame Flitzen oder sogar eine einfache Wasserschüssel. Wenn du lernst, was dein Hund als echte Belohnung empfindet, wird das Training für ihn zum Highlight des Tages.
Hier sind einige Ansätze aus dem Buch und dem Podcast, um Schwung in euren Alltag zu bringen:
Der Klopapier-Slalom: Ein perfekter Test für eure Leinenführigkeit, der gleichzeitig richtig Spaß macht und die Geschicklichkeit fördert.
Abwechslungsreiche Untergründe: Übe Signale wie „Sitz“ oder „Platz“ nicht nur im Wohnzimmer, sondern auf verschiedenen Untergründen, um die Signale wirklich zu festigen.
Markersignale nutzen: Lerne den feinen Unterschied zwischen einem kurzen Markersignal (wie einem Clicker) und einem bloßen Lobwort, um punktgenau zu kommunizieren.
Besonders bei Hundebegegnungen ist es entscheidend, dass dein Hund lernt: „Bei meinem Menschen ist es am spannendsten“. Wenn du das Training spielerisch gestaltest, anstatt nur stumpf Befehle zu geben, stärkst du die Bindung massiv. Es geht nicht darum, den Hund zu „bespaßen“, sondern gemeinsam Aufgaben zu lösen, die euch als Team zusammenschweißen.
FAQ: Die brennendsten Fragen zur Hundeerziehung
Am Ende der Folge fassen Claudi und Beni noch einmal zusammen, was viele Neuhundebesitzer bewegt. Hier sind die Antworten auf die wichtigsten Fragen:
Wie fange ich am besten mit dem Training an? Hundeerziehung ist ein Mitmach-Projekt. Beginne damit, dir eine Liste zu machen, was dein Hund wirklich liebt, und integriere kleine Übungen ganz entspannt in euren Alltag, anstatt nur einmal die Woche auf den Hundeplatz zu gehen.
Mein Hund ist in der „Hab-Acht-Haltung“ – was tun? Respektiere den individuellen Radius deines Hundes. Claudias Teufelchen zeigt zum Beispiel, dass manche Hunde bei bestimmten Übungen wie dem „Ran-Kommen“ anfangs mehr Abstand brauchen. Sei geduldig, arbeite kleinschrittig und zwinge deinen Hund zu nichts, was ihn überfordert.
Warum zieht mein Hund trotzdem an der Leine? Oft fehlt die klare Grenze oder wir Menschen kommunizieren unbewusst schwammig. Die Technik der „sanften Blockade“ (auf die Leine stellen) hilft hier enorm, um ohne Rucken eine klare, statische Grenze zu setzen, die für den Hund leicht verständlich ist.
Was ist das Wichtigste für eine gute Beziehung? Das Vertrauensschweinchen. Jede positive Interaktion zahlt auf euer gemeinsames Konto ein. Wenn dieses Konto voll ist, wird dein Hund dir auch in schwierigen Situationen eher vertrauen und folgen
