➡️ Folge 146 –
Mit dem Hund tricksen: Warum Trickdogging glücklich macht!
Inhaltsverzeichnis
- Mit dem Hund tricksen: Ein kleiner Ideenblitz mit großer Wirkung
- Der „Rüber“-Trick: Der perfekte Seitenwechsel hinter dem Rücken
- Das Mysterium „Pfötchen geben“: Wenn der einfachste Trick zur Herausforderung wird
- Lieblingstricks für schlaue Hundeköpfe (Von der Acht bis zum Einparken)
- Tricks zur Beschäftigung und für die tiergestützte Arbeit (Aufräumen & Ringe werfen)
- Kognitive Meisterleistungen: Vom Taschentuch-Holen („Hatschi“) bis zum Lichtschalter
- Die hohe Kunst des Tricktrainings: Psychologie & wichtige Regeln für den Erfolg
- Fazit & deine Hausaufgabe
Ein kleiner Ideenblitz mit großer Wirkung
Schön, dass du wieder auf meinem Blog vorbeischaust. Kennst du diese Tage, an denen du einfach gemütlich mit deinem Hund durch die Natur latschst, das Wetter vielleicht nicht ganz mitspielt und du dir denkst: „Mensch, heute könnten wir mal wieder was fürs Köpfchen tun“? Genau so erging es mir neulich, als mich ein Video der lieben Kati erreichte. Sie hat einen Trick aus meinem Buch „Hundeerziehung leicht gemacht“ nachgearbeitet und mir stolz das Ergebnis präsentiert. Und was soll ich sagen? Es hat richtig gut funktioniert!
Dieser kleine Videogruß war der perfekte Ideenblitz für mich und Bini, in unserer aktuellen Trust the Dog Podcast-Folge mal in das Thema „Tricksen mit dem Hund“ einzutauchen. Denn seien wir mal ehrlich: Trickdogging ist so viel mehr als nur süße Kunststückchen für das nächste Instagram-Reel oder um bei der Familie Eindruck zu schinden. Es ist die perfekte Möglichkeit, die Bindung zu deinem Vierbeiner zu stärken, ihn geistig komplett auszulasten und ganz nebenbei echte Gamechanger für deinen Alltag zu trainieren. Ein paar Minuten Denksport sind für das Hundehirn oft anstrengender als kilometerlanges Laufen am Fahrrad.
Egal, ob du einen tiefenentspannten Senior, einen spritzigen Hütehund oder einen quirligen Welpen zu Hause hast, der gerade die Welt entdeckt, in diesem Artikel erfährst du, wie du das Tricktraining richtig aufbaust, welche Stolperfallen auf dich warten und warum du beim Tricksen den Strafzettel getrost zu Hause lassen kannst. Pack die Kekse ein, schnapp dir deinen Hund und lass uns gemeinsam loslegen!
Der „Rüber“-Trick: Der perfekte Seitenwechsel hinter dem Rücken
Warum der Seitenwechsel hinter dem Rücken genial ist
Viele Hundebesitzer kennen das Szenario: Du bist entspannt beim Gassi gehen, genießt die Ruhe, und plötzlich taucht am Horizont ein anderer Spaziergänger oder ein Artgenosse auf. Jetzt heißt es schnell reagieren und die Straßenseite oder zumindest die Führseite wechseln. Passiert das vor deinem Körper, bricht meistens das blanke Chaos aus. Der Hund wuselt vor deinen Füßen herum, du kommst selbst ins Stolpern und die Hundeleine verheddert sich im schlimmsten Fall um deine Knöchel. Das ist weder für dich noch für deinen Vierbeiner besonders entspannt.
Der selbstständige Seitenwechsel hinter dem Rücken – ich nenne ihn in meinem Buch „Hundeerziehung leicht gemacht“ einfach kurz „Rüber“ ist dagegen die pure Eleganz. Du läufst einfach ganz geschmeidig weiter, sagst dein Signalwort und schwups: Dein Hund flutscht unsichtbar hinter deinem Gesäß auf die andere Seite. Das sieht nicht nur verdammt professionell aus, sondern bringt auch unheimlich viel Ruhe in die gesamte Begegnungssituation.
Schritt-für-Schritt-Anleitung: Vom Stand in die Bewegung
Der größte Fehler, den die meisten hochmotivierten Hundehalter beim Tricktraining machen, ist der verflixte Ehrgeiz. Sie wollen, dass der Trick sofort im fließenden Gehen funktioniert. Das ist für das Hundehirn, besonders bei einem jungen Welpen, aber viel zu schwer. Dein Hund muss erst einmal im Stand verstehen, welche Flugbahn er überhaupt einschlagen soll.
- Schritt 1: Die Grundposition im Stand. Stell dich stabil und aufrecht hin. Sagen wir, dein Hund befindet sich gerade auf deiner linken Seite.
- Schritt 2: Das Locken hinter den Rücken. Nimm ein schmackhaftes Leckerchen in deine rechte Hand und führe diese hinter deinen Rücken. Locke deinen Hund mit der Futterhand hinter deinen Körper.
- Schritt 3: Der Handwechsel. Sobald die feine Hundenase hinter deinem Rücken auftaucht, nimmst du die Belohnung in die linke Hand und führst den Hund flüssig weiter auf deine rechte Seite.
- Schritt 4: Timing ist alles. Genau in dem Moment, in dem dein Hund hinter deinem Rücken ist, ertönt dein Markersignal (oder dein Lobwort). Den Keks bekommt er dann, wenn er auf der anderen Seite angekommen ist.
- Schritt 5: Das Signalwort verknüpfen. Erst wenn dieser Ablauf im Stand ohne langes Zögern klappt, setzt du kurz vor der Bewegung dein neues Signal „Rüber“ davor.
- Schritt 6: Ab in die Bewegung. Wenn die Trockenübung sitzt, machst du beim Aussprechen des Signals einen kleinen, langsamen Schritt nach vorne und lässt deinen Hund im Gehen hinter dir herflitzen.
Der Superhelden-Mantel: Warum Tricksen im Alltag schützt
Warum liegt mir dieser Trick so am Herzen, dass ich ihn sogar in mein Kosmos Fachbuch “Hundeerziehung leicht gemacht” geschrieben habe? Weil er im Hundealltag einen unschätzbaren Wert besitzt. Wenn dir Menschen, Jogger, Fahrräder oder andere Hunde entgegenkommen, solltest du dich als verantwortungsvoller Hundehalter immer als schützender Puffer zwischen den Reiz und deinen eigenen Hund stellen. Viele Hunde fangen an der Leine überhaupt erst an zu pöbeln oder zu ziehen, weil sie den Außenreiz visuell nicht aushalten und die Situation nicht kontrollieren können.
Wenn du deinen Hund mit dem „Seitenwechsel“ auf die vom Reiz abgewandte Seite schickst, bist du sein sicherer Schutzschild. Du kannst viel entspannter weitergehen, hast die Lage im Blick und kannst einen fremden Hund viel besser blocken, falls dieser mal wieder ungefragt und ohne Leine auf euch zugerannt kommt. Wie ich in meinem Buch immer so schön schreibe: „Sei der Superheld für deinen Hund!“ Mit diesem Trick ziehst du dir auf jedem Spaziergang deinen unsichtbaren Superhelden-Umhang an.
Das Mysterium „Pfötchen geben“: Wenn der einfachste Trick zur Herausforderung wird
Der Klassiker, den (fast) alle können
Wenn man Hundehalter fragt, welchen Trick ihr Vierbeiner als allererstes gelernt hat, kommt die Antwort meistens wie aus der Pistole geschossen: „Pfötchen geben!“ Das gehört in der Hundewelt quasi zum guten Ton. Man braucht es ständig; sei es für ein süßes Foto oder beim Tierarzt, wenn der Hund nach einer tapferen Behandlung „Hallo“ oder „Danke“ sagen soll und dafür einen dicken Keks abstaubt. Man sollte meinen, das lernt jede Fellnase absolut im Schlaf. Tja, außer Pitti! Er ist der lebende Beweis dafür, dass auch die vermeintlich leichtesten Übungen an der individuellen Persönlichkeit des Hundes scheitern können. Bienie sagt: “Es ist mir ja fast ein bisschen peinlich für ihn, aber beim Tierarzt müssen wir jedes Mal kleinlaut zugeben: „Kann er nicht!“
Pitti und das hyperaktive Tippeln
Warum um alles in der Welt kann ein eigentlich schlauer Hund kein einfaches Pfötchen geben? Bei Pitti liegt es an seiner puren, ungebremsten Energie. Sobald man sich vor ihn setzt, um mit ihm zu interagieren, schaltet sein Gehirn sofort auf Überschallgeschwindigkeit. Er will alles richtig machen, gerät in totale Hyperbewegungen und fängt wild an zu tippeln. Er wechselt im Millisekundentakt zwischen linker und rechter Pfote, setzt sich hin, steht wieder auf, legt sich hin und wirft den Kopf hin und her. Er ist in diesem Moment so ein quirliger Wusel, dass es für uns Menschen schlicht unmöglich ist, genau den einen statischen Moment mit dem Clicker einzufangen, in dem er einfach nur ruhig eine einzelne Pfote anhebt. Er versteht die logische Verknüpfung vor lauter Hektik einfach nicht.
Teufelchen: Tricksen mit einem Angsthund
Und dann haben wir da noch mein „Teufelchen“. Bei ihr scheitert der klassische Trainingsaufbau an einer ganz anderen, emotionalen Hürde: dem Misstrauen. Teufelchen ist ein Angsthund, und bei ihr müssen wir das Ganze viel sensibler angehen. Sobald ich mich mit einer bestimmten Trainingsenergie vor sie setze, merkt sie sofort, dass ich etwas von ihr will. Sie wird skeptisch, schaut mich mit großen Augen an und fragt sich: „Huch, was hast du vor? Das kommt mir spanisch vor!“ Wenn ich dann versuche, sie ganz sanft an der Pfote zu kitzeln (was bei vielen Hunden super funktioniert, weil sie die Pfote dann reflexartig hochziehen), bricht sie ab, steht auf und geht auf Abstand. Für sie ist diese körperliche Manipulation in einem starren Kontext einfach noch zu viel.
Vier Wege zum Pfötchen-Glück (Für jeden Hundetyp)
Weil eben jeder Hund eine ganz eigene Persönlichkeit hat, gibt es beim Tricktraining nicht den einen goldrichtigen Weg. Wenn Methode A bei deinem Hund zu Frust oder Hektik führt, probierst du einfach Methode B, C oder D aus.
Das freie Formen (Shaping) durch Abwarten: Du setzt dich ruhig vor deinen Hund und tust erst mal gar nichts. Irgendwann wird dein Hund aus reiner Ratlosigkeit sein Gewicht verlagern oder eine Pfote minimal vom Boden anheben. Klick! Sofort kommt der Keks geflogen. Nach ein paar Wiederholungen macht es im Hundekopf „Klick“ und er merkt: „Ah, das Heben der Pfote bringt mir die Belohnung!“ Erst wenn er das Verhalten zuverlässig anbietet, setze ich das Signalwort (z. B. „Pfote“ oder „Guten Tag“) kurz vor der Bewegung an. (Bei Pitti wegen des Tippelns leider unmöglich! )
Die Kitzel-Methode: Du berührst oder kitzelst deinen Hund ganz sanft hinten am Fesselgelenk oder an den Ballen. Die meisten Hunde ziehen die Pfote kurz hoch, weil es kitzelt oder ungewohnt ist. Genau in der Sekunde, in der die Pfote den Boden verlässt, markerst und belohnst du. (Pitti guckt mich dabei übrigens nur stur an oder fängt an, sich im Kreis zu drehen ).
Die Keks-in-der-Hand-Methode: Du nimmst ein besonders leckeres, intensiv duftendes Leckerchen, schließt deine Hand zu einer Faust und hältst sie vor deinen Hund auf den Boden. Dein Hund wird erst versuchen, mit der Nase oder der Zunge an das Futter zu kommen. Wenn er merkt, dass er so nicht weiterkommt, setzen fast alle Hunde irgendwann die Pfote ein, um deine Hand aufzukratzen. Zack, das ist dein perfekter Klickmoment!
Das Post-it-Targeting: Mein absoluter Geheimtipp für clevere, aber komplizierte Fälle wie Pitti oder Teufelchen! Du nimmst ein einfaches Stück Post-it-Papier oder ein kleines Handtuch und legst es auf den Boden. Du belohnst deinen Hund anfangs für jedes noch so kleine Interesse oder Drauftreten mit der Pfote (ein sogenanntes Touch-Target). Wenn er verstanden hat, dass das Papier der Jackpot ist, wanderst du mit dem Post-it schrittweise auf deine flache Hand nach oben. Später machst du das Papierstückchen immer kleiner, bis es komplett verschwindet und nur noch deine einladende Hand übrig bleibt.
Tricks für Fortgeschrittene und die tiergestützte Arbeit
Das große Aufräumen: Spielzeug sortieren leicht gemacht
Kommen wir zu einem Trick, den ich persönlich absolut genial finde und das aus ganz pragmatischen, uneigennützigen Gründen ! Wer kennt es nicht? Der Hund hat über den Tag verteilt seine gesamte Spielzeugkiste im Wohnzimmer ausgebügelt . Überall liegen Plüschis, Taue und Bälle herum. Wie cool wäre es bitteschön, wenn dein Vierbeiner das Chaos selbst beseitigt ? Das Beste daran: Es ist nicht nur unglaublich praktisch, sondern man kann mit diesem Trick vor Besuchern oder auf Social Media auch noch fantastisch angeben . Sogar mein Caspar hat diesen Trick gelernt .
Physiologisch und mental betrachtet ist das Aufräumen eine echte Meisterleistung, weil es sich um eine sogenannte Handlungskette handelt . Dein Hund muss mehrere separate Aufgaben nacheinander verknüpfen: Erstens einen Gegenstand gezielt ins Maul nehmen , zweitens diesen Gegenstand zu dir beziehungsweise zum Korb tragen und drittens das Spielzeug exakt über der Kiste fallen lassen . Das ist für das Hundehirn Hochleistungssport!
Das große Aufräumen: Spielzeug sortieren leicht gemacht
Kommen wir zu einem Trick, den ich persönlich absolut genial finde und das aus ganz pragmatischen, uneigennützigen Gründen ! Wer kennt es nicht? Der Hund hat über den Tag verteilt seine gesamte Spielzeugkiste im Wohnzimmer ausgebügelt . Überall liegen Plüschis, Taue und Bälle herum. Wie cool wäre es bitteschön, wenn dein Vierbeiner das Chaos selbst beseitigt ? Das Beste daran: Es ist nicht nur unglaublich praktisch, sondern man kann mit diesem Trick vor Besuchern oder auf Social Media auch noch fantastisch angeben . Sogar mein Caspar hat diesen Trick gelernt .
Physiologisch und mental betrachtet ist das Aufräumen eine echte Meisterleistung, weil es sich um eine sogenannte Handlungskette handelt . Dein Hund muss mehrere separate Aufgaben nacheinander verknüpfen: Erstens einen Gegenstand gezielt ins Maul nehmen , zweitens diesen Gegenstand zu dir beziehungsweise zum Korb tragen und drittens das Spielzeug exakt über der Kiste fallen lassen . Das ist für das Hundehirn Hochleistungssport !
Der saubere Aufbau sieht so aus:
- Schritt 1: Das Apportieren in die Hand. Bevor du überhaupt an eine Kiste denkst, muss dein Hund lernen, dir einen Gegenstand zuverlässig in die flache Hand zu legen . Nimm ein Spielzeug, belohne das Aufnehmen und halte deine Hand direkt darunter. Lässt er es in deine Hand fallen: Klick und Jackpot !
- Schritt 2: Den Behälter ins Spiel bringen. Wenn das Ablegen in die Hand sitzt, nimmst du einen großen, flachen Behälter: ein Wäschekorb eignet sich für den Anfang perfekt, weil die Trefferquote einfach höher ist . Nun hältst du deine geöffnete Hand flach über den Korb . Dein Hund kommt angerauscht, um dir das Spielzeug wie gewohnt auf die Hand zu legen .
- Schritt 3: Der Hand-Wegzieh-Trick. Und jetzt tricksen wir den Hund ein bisschen aus : Kurz bevor das Spielzeug deine Hand berührt, ziehst du deine Hand blitzschnell weg ! Das Spielzeug fällt – bup – durch die Schwerkraft genau in den Korb . In exakt diesem Sekundenbruchteil ertönt dein Markersignal ! Nach einigen Wiederholungen begreift dein Hund die neue Logik: „Ah, das Ding muss gar nicht zu Frauchen auf die Hand, sondern es muss in dieses große Plastikteil fallen!“ .
Die drei häufigsten Fehler beim Aufräum-Training
Weil dieser Trick so komplex ist, gibt es ein paar typische Stolperfallen, in die fast jeder motivierte Hundehalter tappt. Ich wusste im Podcast schon ganz genau, dass diese Fehler zur Sprache kommen müssen, denn ich sehe sie ständig .
- Fehler 1: Zu früh zu viel wollen. Viele Menschen wollen den Korb hinstellen und sagen „Räum auf“, bevor der Hund überhaupt verstanden hat, wie man einen Gegenstand gezielt in die menschliche Hand abgibt . Ohne dieses Fundament funktioniert die Kette nicht .
- Fehler 2: Die Reizüberflutung mit mehreren Gegenständen. Man legt dem Hund direkt fünf verschiedene Spielzeuge hin und erwartet, dass er eines nach dem anderen wegsortiert . Fang bitte immer mit einem einzigen Gegenstand an !
- Fehler 3: Das „Auspack-Phänomen“. Das ist ein echtes psychologisches Phänomen bei Hunden . Wenn du den zweiten Gegenstand dazuholst und dein Hund zum Korb läuft, sieht er, dass darin schon das erste Spielzeug liegt . Was machen die meisten Hunde? Sie lassen das neue Spielzeug fallen, freuen sich über die Beute im Korb und holen das bereits aufgeräumte Teil wieder heraus ! Um diese Unruhe und Frustration zu vermeiden, mein Geheimtipp : Sobald du deinen Hund losschickst, um den zweiten Gegenstand zu holen, nimmst du das erste Spielzeug heimlich und leise aus dem Korb heraus und versteckst es hinter deinem Rücken . So bleibt der Korb für den Hund visuell immer „leer“ und die Fehlerquote sinkt drastisch . Wenn das Ganze später bombenfest sitzt, kannst du die Gegenstände sogar namentlich benennen („Hol die Maus“, „Hol den Affen“) und deinen Hund so kognitiv maximal auslasten!
Der Ring-auf-Stab-Trick: Perfekt für Schulhunde/Therapiehunde
Ein absolutes Highlight aus meiner eigenen Trick-Kiste, das ich auch unfassbar gerne in der Ausbildung von Therapie- und Schulbegleithunden einsetze, ist das Ringewerfen . Genauer gesagt: Der Hund lernt, einen Ring aufzunehmen und ihn selbstständig über einen senkrechten Stab zu stülpen . Auf YouTube gibt es dazu von mir ein uraltes Tutorial, die Videoqualität ist aus heutiger Sicht ehrlicherweise unterirdisch, aber der Trainingsweg ist immer noch goldwert !
Warum liebe ich diesen Trick für die tiergestützte Arbeit so sehr? Weil er eine wunderbare Brücke für die Interaktion zwischen Mensch und Hund schlägt . Man kann daraus ein richtiges Gesellschaftsspiel machen: Ein Kind im Klassenzimmer oder ein Patient in der Therapie wirft die Ringe, und der Hund sammelt sie ein und sortiert sie auf den Stab . Das bricht sofort das Eis und sorgt für leuchtende Augen.
Der Aufbau ist denkbar simpel und genial zugleich: Du brauchst dafür kein teures Equipment, sondern zweckentfremdest einfach einen ganz normalen Küchenrollen-Ständer aus Holz oder Metall (einen Zewa-Pümpel) und ein paar robuste Ringe . Ich nutze dafür unheimlich gerne etwas schwerere Tauchringe oder feste, gekordelte Holzringe aus Kinderspielen, weil die Hunde sie viel besser greifen können und sie nicht so labberig im Maul herumwackeln .
Der Hund muss auch hier das Tragen und das gezielte Bringen bereits beherrschen . Zu Beginn des Trainings hältst du den Stab noch in der eigenen Hand . Wenn dein Hund mit dem Ring im Maul auf dich zukommt, gehst du ihm mit dem Stab aktiv ein Stückchen entgegen . Du fädelst den Stab quasi von unten in den Ring ein, den der Hund im Maul hält . In der Sekunde, in der der Ring über dem Pümpel ist, klickst du . Der Hund lässt den Ring vor Schreck oder Vorfreude auf den Keks los – wupp, der Ring sitzt auf dem Stab ! Später zögerst du den Klickmoment ganz bewusst ein bisschen hinaus: Du wartest, bis der Hund den Ring von ganz alleine loslässt und er nach unten saust . Wenn das klappt, wanderst du mit dem Stab Schritt für Schritt weiter Richtung Fußboden, bis der Ständer fest auf der Erde steht und dein Hund die Millimeterarbeit komplett eigenständig leistet . Aber Achtung: Wenn dein Hund das direkt vor dir kann, bedeutet das noch lange nicht, dass er es auch auf Distanz oder im freien Raum schafft, das erfordert noch mal einiges an Generalisierung !
Die hohe Kunst des Tricktrainings: Wichtige Regeln für den Erfolg
Warum Denksport müder macht als Fahrradfahren
Viele Hundebesitzer denken immer noch, sie müssten stundenlang mit dem Hund am Fahrrad laufen oder Bälle werfen, um ihn müde zu bekommen. Das Gegenteil ist oft der Fall: Wir ziehen uns damit nur hyperaktive Leistungssportler heran. Tricktraining ist echte Kopfarbeit. Ein paar Minuten intensives Nachdenken beim Shapen fordert das Gehirn deines Vierbeiners so sehr, dass danach erst einmal eine Runde Tiefschlaf angesagt ist. Besonders für quirlige Welpen oder hibbelige Hunde ist das die perfekte Art der Auslastung.
Das Heiß-Kalt-Spiel: Wie sich dein Hund beim Shapen fühlt
Hast du als Kind auch „Heiß oder Kalt“ gespielt? Du musstest einen Gegenstand im Raum suchen, und die anderen haben dir durch „Wärmer“, „Heiß“ oder „Eiskalt“ den Weg gewiesen. Genau so funktioniert das freie Formen (Shaping) mit dem Clicker. Wenn du nicht klickst, heißt das für den Hund „Kalt, probier was anderes“. Wenn du klickst, heißt das „Brandheiß, genau richtig!“.
Im Podcast haben Bini und ich genau darüber gesprochen: Wenn wir Menschen das untereinander ausprobieren, merken wir erst, wie viel Konzentration das erfordert. Bini hat mal versucht, so eine Übung mit zwei Händen aufzubauen, und war am Ende völlig frustriert, weil das Timing nicht stimmte. Genau so geht es deinem Hund auch, wenn du unklar im Training bist! Hilf deinem Hund also nicht zu viel, indem du ständig auf Gegenstände zeigst oder seine Pfote nimmst. Lass ihn ruhig mal selbständig nachdenken – aber halte die Schritte so klein, dass er nicht in die Frustfalle tappt.
Aufhören, wenn es am schönsten ist
Die goldene Regel beim Tricksen lautet: Absolute Gewaltfreiheit, kein Druck und verflixt kurze Einheiten! Mach nach zwei, drei Minuten lieber eine Pause.
Und das wichtigste Learning zum Schluss: Höre immer mit einem Erfolgserlebnis auf. Wenn ich merke, dass bei Kasper da oben im Kopf langsam „das Licht ausgeht“ und die Lampen auf Schlafen schalten, breche ich die schwere Übung sofort ab. Ich frage dann einen super einfachen Trick ab, den er im Schlaf beherrscht: wie ein simples Sitz oder ein lockeres Umrunden. Das wird noch mal richtig doll gefeiert, es gibt den Jackpot-Keks, und dann gehen wir mit einem richtig guten Gefühl in die wohlverdiente Pause.
Fazit & deine Hausaufgabe
Tricksen ist so viel mehr als nur Beschäftigung gegen Langeweile. Es schweißt dich und deinen Hund zu einem echten Team zusammen, schenkt dir und deinem Hund im Alltag Sicherheit und bringt einfach eine riesige Portion Spaß in euer Leben. Nimm dir für die nächste Woche doch mal einen der Tricks vor: egal ob den eleganten Seitenwechsel „Rüber“ oder das clevere Post-it-Targeting.
Schreib mir unbedingt mal in die Kommentare: Was sind eure absoluten Lieblingstricks? Wo hakt es vielleicht noch, oder welchen Trick würdest du super gerne mal lernen?
Pack die Kekse aus, bleib geduldig und habt ganz viel Spaß beim gemeinsamen Ausprobieren!
DEINE CLAUDI
Du willst noch mehr Tipps für dein Training?
Wenn du jetzt denkst: „Mensch Claudi, recht hast du, aber wie setze ich das im Alltag um?“, dann habe ich da was für dich. Das Thema Konsequenz und wie man sie liebevoll im Alltag lebt, ist nämlich der rote Faden in meinem Buch.
Wer es noch nicht hat: Schäm dich! (Nur ein bisschen…) Aber im Ernst, wenn du wirklich praktische Tipps suchst, die auch funktionieren, dann hol es dir jetzt. Es hilft dir dabei, deinen Hund besser zu verstehen und die Macken zu lieben, die liebenswert sind – und die anderen charmant in den Griff zu bekommen.
Jetzt seid ihr dran! Welche Macke eures Hundes bringt euch jeden Tag zum Lachen? Und bei welcher musstet ihr schon mal hart durchgreifen? Schreibt es mir in die Kommentare, ich freue mich riesig auf eure Geschichten!
Bis zum nächsten Mal, bleibt liebevoll konsequent
