➡️ Folge 136 – 

Qualität in der tiergestützten Arbeit

In der heutigen Podcastfolge „ Qualität in der tiergestützten Arbeit“ spreche ich mit Katrin Rauber über ein Thema, das vielen am Herzen liegt – und gleichzeitig so viele Fragen aufwirft: Was bedeutet eigentlich Qualität in der tiergestützten Arbeit? Wer legt fest, was ein Schulbegleithund oder Therapiehund können muss? Und warum ist das Thema Verantwortung dabei so entscheidend?

Gemeinsam mit Katrin, Lehrerin, tiergestützte Fachkraft, Pferdeverhaltenstrainerin und Vorstandsmitglied im Qualitätsnetzwerk für Schulhunde e.V. (QNS), spreche ich über den Unterschied zwischen echter Eignung und fragwürdigen Prüfungen, über Tierwohl, Ausbildung und über das große Ganze, das man oft vergisst, wenn man nur auf ein Zertifikat schielt.

Zwischen Berufung und Verantwortung: Tiergestützte Arbeit braucht mehr als einen Hund

Viele Menschen kommen aus einem tiefen Wunsch zur tiergestützten Arbeit: Sie wollen mit ihrem Hund Gutes bewirken. Im Schulalltag, in sozialen Einrichtungen, in der Therapie oder der pädagogischen Begleitung. Und oft beginnt alles mit dem Gedanken: „Mein Hund ist so lieb, den nehme ich mit.“

Doch genau hier beginnt die Verantwortung. Denn ein Hund ist kein Kuscheltier auf vier Pfoten. Er ist kein Werkzeug, das man einsetzen kann, wenn es gerade passt. Er ist ein Lebewesen und in der Arbeit mit Menschen wird er zum Teammitglied. Damit das gelingt, braucht es mehr als Bauchgefühl.

Lesehund in Hamburg und Lübeck

Ausbildung ist kein Luxus, sondern Pflicht

Im Podcast sprechen wir auch darüber, warum es so wichtig ist, dass Mensch-Hund-Teams gut ausgebildet werden. Dass es klare Standards braucht, aber keine starren Schubladen. Dass die Ausbildung nicht an einem Wochenende abgeschlossen sein kann. Und dass es nicht reicht, wenn einfach jemand behauptet, er bilde nun Schulhunde aus.

Viele Hundeschulen bieten heute Ausbildungsgänge an, oft ohne echte Einblicke in den pädagogischen Alltag. Gleichzeitig nehmen Lehrer oder Erzieher ihre Hunde einfach mit zur Arbeit, ohne zu wissen, was das langfristig für den Hund bedeutet. Genau hier setzt das Qualitätsnetzwerk für Schulhunde e.V. an.

Das Qualitätsnetzwerk für Schulhunde e.V. – Qualität sichtbar machen, Haltung fördern

Katrin erklärt im Gespräch, warum es das Qualitätsnetzwerk für Schulhunde e.V. gibt, welche Aufgaben der Verein erfüllt und wie wichtig es ist, Standards nicht als Druck, sondern als Schutz zu verstehen. Schutz für den Hund. Für die Klienten. Für den Menschen am anderen Ende der Leine.

Das Qualitätsnetzwerk für Schulhunde e.V. versteht sich nicht als Kontrollinstanz, sondern als Plattform für Austausch, Qualität und echte Weiterentwicklung. Es geht nicht um eine Prüfung, sondern um Haltung. Nicht um Show, sondern um Wirkung. Und vor allem: Um den achtsamen, respektvollen Umgang mit dem Tier im Einsatz.

Gegen Eignungstests mit Schreckreizen oder Prüfungen

Im Gespräch wird deutlich: Viele sogenannte „Eignungstests“ für Therapie- Pädagogik- oder Schulbegleithunde sind reine Momentaufnahmen. Tests, in denen fremde Menschen auf den Hund zustürmen, laute Geräusche erzeugen oder sich gar auf den Hund legen sollen. Alles in der Hoffnung, zu prüfen, ob der Hund stabil bleibt.

Doch diese Praxis ist gefährlich und hat nichts mit tiergestützter Arbeit zu tun. Denn ein Hund darf nicht funktionieren. Er darf fühlen, reagieren und auch sagen: „Das möchte ich nicht.“

Meine Ausbildungsstätte Trust the Dog und auch das Qualitätsnetzwerk für Schulhunde e.V. lehnt solche Tests ab. Stattdessen setzen wir auf eine begleitende Ausbildung, individuelle Entwicklung und die klare Haltung: Der Hund entscheidet mit. Jederzeit. Und immer.

Therapiehunde im Kindergarten sind eine echte Bereicherung. Therapiehunde Ausbildung bei Claudia Pauliks in Hamburg und Lübeck.

Warum das Qualitätsversprechen mehr wert ist als ein Zertifikat

Im Podcast sprechen wir über das sogenannte Qualitätsversprechen: Eine freiwillige Selbstverpflichtung, die zeigt, dass ein Mensch-Hund-Team auf Qualität, Weiterentwicklung und Tierwohl achtet. Ohne Prüfung. Ohne Show. Dafür mit viel Substanz.

Wer dieses Versprechen abgibt, zeigt: Ich bilde mich weiter. Ich reflektiere meine Arbeit. Ich nehme meinen Hund ernst als Persönlichkeit und als Partner. Und genau das ist es, was letztlich zählt.

Tust the Dog hält das Qualitätsversprechen

Ich selbst habe mich bewusst dafür entschieden, meine Ausbildung fundiert, vielseitig und mit Tiefgang aufzubauen. Die Ausbildung zur tiergestützten Fachkraft bei mir dauert ein ganzes Jahr – mit einem klaren Aufbau von Theorie und Praxis. Sie ist keine Wochenendveranstaltung, kein Crashkurs, sondern ein kontinuierlicher Entwicklungsprozess.

In dieser Zeit begleiten mich und meine Teilnehmenden 13 verschiedene Dozentinnen aus unterschiedlichsten Fachrichtungen. Jeder bringt eigene Perspektiven mit – aus der Pädagogik, Psychologie, Tierethik, dem Hundeverhalten und der Praxis der tiergestützten Arbeit. Diese Vielfalt ist mir wichtig, weil sie Tiefe schafft und dafür sorgt, dass Mensch-Hund-Teams nicht nur fachlich, sondern auch persönlich wachsen können.

Claudia Pauliks bietet zertifizierte Therapie- und Schulhundeausbildungen an.

Ich trage das Qualitätsversprechen mit voller Überzeugung. Weil ich davon überzeugt bin, dass Qualität in der tiergestützten Arbeit nicht über Zertifikate entsteht, sondern über Haltung. Über kritisches Hinterfragen. Über fachliche Tiefe. Und über echte Verantwortung für das Tier an unserer Seite.

Wenn ich Hunde in der pädagogischen oder therapeutischen Arbeit sehe, dann sehe ich Persönlichkeiten. Und Persönlichkeiten brauchen Raum zur Entwicklung – nicht Druck zur Leistung. Genau dafür stehe ich. Und genau das vermittle ich in meiner Ausbildung.

Austausch statt Alleingang – das Netzwerk für alle, die es ernst meinen

Ob Arbeitskreistreffen, Online-Talks oder der große Schulhundkongress,  das Qualitätsnetzwerk für Schulhunde e.V. schafft Räume für echten Austausch. Für Fragen, Zweifel, Entwicklung. Für Begegnung auf Augenhöhe – zwischen Menschen, die mit ihren Hunden wirklich etwas bewegen wollen.

Und das Beste: Du musst kein Mitglied sein, um teilzunehmen. Offenheit ist ein zentraler Wert im QNS. Wer sich weiterbilden, austauschen oder einfach mal reinschnuppern möchte, ist willkommen.

Haltung zeigen, auch im Zweifel

Ein weiterer wichtiger Punkt: Es geht nicht darum, dass alle Mensch-Hund-Teams am Ende „funktionieren“ oder in den Einsatz gehen. Manchmal zeigt der Hund im Laufe der Ausbildung, dass es nicht das Richtige für ihn ist. Oder die Lebensumstände ändern sich. Oder eine Klasse passt nicht. Auch das ist okay.

Qualität heißt auch: zu erkennen, wann ein Stopp notwendig ist. Oder ein Umdenken. Oder einfach eine Pause. Wer seinen Hund wirklich sieht, handelt im Zweifel immer für ihn. Nicht für den Traum von außen.

Fazit: Qualität ist keine Frage des Zertifikats, sondern der Haltung

Die tiergestützte Arbeit mit Hund kann kraftvoll, berührend und transformierend sein. Aber nur, wenn sie mit Respekt, Wissen und Achtsamkeit geschieht. Diese Podcastfolge über “Qualität in der tiergestützten Arbeit” macht genau das deutlich.

Sie lädt ein, hinzuschauen. Zu hinterfragen. Und Verantwortung zu übernehmen – für den Hund, die Menschen im Einsatz und für sich selbst. Denn echte Wirkung entsteht nie durch Prüfungen. Sondern durch Beziehung.

Wenn du mit deinem Hund arbeiten möchtest “in der Schule, in der Pädagogik oder Therapie” dann nimm dir Zeit. Such dir gute Begleitung. Vernetze dich. Und zeig Haltung. Dein Hund wird es dir danken.