➡️ Folge 133 –
Mein Welpe dreht durch – das ist der Grund
Bienie und ich sprechen in der Podcastfolge ganz offen darüber, dass genau diese Momente für viele Menschen unglaublich belastend sind. Man fühlt sich überfordert, man fühlt sich unsicher und vor allem fühlt man sich allein. Doch du bist damit nicht alleine, denn solche Situationen sind nicht selten. Diese Momente, in denen man sagt: „Mein Welpe dreht durch“, haben nichts mit Versagen zu tun. Sie haben eine Ursache.
Welpen drehen nicht durch, weil sie frech sind
Diese Spannung entlädt sich. Und diese Entladung sehen wir Menschen dann als „Durchdrehen“. Das ist nicht „Frechheit“. Das ist keine „Dominanz“. Das ist ein Nervensystem, das keinen Platz mehr hat.
Das Internet macht alles schlimmer – weil es falsche Bilder zeigt
Über Instagram, TikTok und Fotos in nicht gut geführten Welpengruppen sieht man fast ausschließlich die süßen Momente. Man sieht schlafende Welpen, kleine Kuschelbilder und „wie süß das ist“. Aber man sieht nicht die Abende, an denen der Welpe fünfzehn Minuten wie irre am Finger hängt. Man sieht nicht die Momente, in denen man nicht mal kurz duschen gehen kann. Man sieht auch nicht die Momente, in denen man das Gefühl hat „ich kann gar nichts mehr richtig machen“.
Und genau deshalb sitzen so viele Menschen in dieser ersten Zeit mit dem Welpen und denken: „nur bei uns ist es so schwer“. Nein. Es ist bei sehr vielen Menschen schwer.
Der Anfang ist entscheidend
Wenn du deinem Welpen einen wirklich guten Start ermöglichen möchtest, empfehle ich dir meinen Online-Welpenkurs. Dort findest du Schritt-für-Schritt-Videos mit echten Welpen, die dir genau zeigen, wie du Situationen im Alltag sicher und entspannt meistern kannst. Du kannst dir alle Inhalte so oft anschauen, wie du möchtest, und sie direkt 1:1 mit deinem Welpen umsetzen.
Und wenn du dir zusätzlich zu den Videos noch persönliche Begleitung wünschst, dann gibt es die Möglichkeit, mein 1:1 Welpentraining dazu zu buchen.
Ich sage das immer ganz deutlich: Wer am Anfang spart, zahlt später meist doppelt. Investiere lieber bewusst in die ersten Wochen – denn ein sicherer, stabiler Start zahlt sich für das gesamte Hundeleben aus.
Warum weniger Welt besser ist als mehr Welt
Wir müssen Welpen nicht gleich mit der ganzen Welt konfrontieren. Es ist sogar wichtig und richtig, wenn wir viel kleiner anfangen. Beobachte erstmal ganz in Ruhe, wie dein Welpe in deinem Garten die Welt wahrnimmt. Und wenn du dann merkst, dass dein Welpe das gut schafft und nicht überfordert ist, dann kannst du die Welt ein kleines bisschen erweitern.
Fahre mit ihm in den Wald oder auf eine ruhige Wiese. Der Fußweg dorthin sollte wirklich nur ein bis zwei Minuten betragen, weil schon das Laufen dorthin für viele Welpen ein großes Reizpaket ist, das zu viel sein kann. Und wenn deine ruhige Naturfläche weiter weg ist, dann ist es absolut in Ordnung und sinnvoll, den Welpen dafür ins Auto zu setzen und dorthin zu fahren. Es geht am Anfang nicht um Strecke – es geht um die Qualität der Erfahrung. Das ist „Welpen Training“ im besten Sinne.
Überforderung zeigt sich oft abends
Und jetzt lass uns über den Abend sprechen. Das ist die Zeit, in der viele Menschen sagen „ich kann mich nicht mal aufs Sofa setzen, der wird dann total irre“. Das ist ein sehr häufiges Muster. Man nennt das oft den „Abend-Crazy-Puppy-Zoomie“. Und dahinter steckt eigentlich nur eines: der Tag war zu voll. Das Gehirn ist dann nicht „wach“ oder „unterfordert“, sondern überladen.
Wenn wir das verstehen, dann beginnen wir, Welpen ganz anders zu sehen. Wir schauen nicht mehr: „was muss ich tun?“ Wir schauen dann: „was kann ich weglassen?“
Es ist keine schlechte Erziehung – es ist ein voller Arbeitsspeicher
Ein Welpe hat keine Möglichkeit, Reize wie wir Menschen zu verarbeiten. Er kann nicht reflektieren, nicht filtern, nicht sortieren. Wenn zu viel erlebt wurde, dann landet alles gleichzeitig im Körper. Und das zeigt sich als:
Beißen, Zerren, Springen, unkontrolliertes Rennen, Bellen, Jaulen
Das ist keine „Frechheit“, das ist „ich kann nicht mehr anders“.
Und genau hier darfst du dich entlasten
Es geht also nicht darum, deinen Welpen „müde zu machen“. Es geht darum, ihm weniger zu geben. Weniger Welt. Weniger Reize.
Weniger neue Dinge. Weniger „Gassi“. Mehr Sicherheit. Mehr Struktur. Kleinere Räume.
Und die Erlaubnis, die Welt langsam zu entdecken, statt in sie hineingeworfen zu werden.
Wie du deinem Welpen helfen kannst, nicht mehr durchzudrehen
Wenn du dir jetzt vielleicht denkst „Ja, schön. Ich verstehe das. Aber was kann ich denn jetzt wirklich tun?“ – dann verrate ich dir: es sind nicht 50 verschiedene Dinge. Es sind wenige, sehr klare Schritte, die in der Praxis wirklich etwas verändern.
1) Weniger machen ist oft die Lösung
Wir Menschen neigen dazu, Probleme mit „mehr tun“ lösen zu wollen. Mehr Übungen, mehr Spaziergänge, mehr Input. Beim Welpen ist es genau umgekehrt. Die Kunst in der Welpenzeit besteht darin, weniger Welt, weniger Reize und weniger Action zu geben. Das ist das Schwierigste für uns Menschen, weil wir denken, mehr Aktivität hilft. Aber die Regulation entsteht durch Absichtslosigkeit. Durch Ruhe. Durch selbstverständliche, sichere Anwesenheit.
2) Die Welt in kleinen Häppchen präsentieren
Sandplatz, Waldlichtung, ruhiger Parkplatz – nicht Hundewiese, Innenstadt, Kindergeburtstag. Ein Welpe darf kleine Dosen Welt bekommen. Er muss nichts „erleben“, er muss nichts „schaffen“, er muss nicht „fit gemacht werden“. Das ist kein Marine-Training. Das ist ein Heranwachsen. Und dafür braucht es genau das, was Welpenbesitzer so selten tun: die Reize klein schneiden und bewusst portionieren.
3) frühzeitig lernen, „runterzuregeln“
Runterregulation heißt: Der Welpe darf lernen, dass nicht jeder Impuls „umgesetzt werden muss“. Er darf lernen, dass man sich hinsetzen kann, statt sofort loszustürmen. Dass man sich lösen darf, ohne ein Abenteuer zu erwarten. Dieses bewusste „Entschleunigen“ führt dazu, dass der Welpe lernt, wie man Spannung abbaut. Viele Menschen kennen nur Aktivierungstraining. Aber kaum jemand kennt „Deaktivierungs-Training“.
4) nicht kämpfen, sondern entlasten
Wenn ein Welpe gerade durchdreht, dann kommst du NICHT voran, indem du ihn „bändigst“. Das erzeugt nur noch mehr Widerstand. Und das wiederum verstärkt das Verhalten, das du loswerden willst. Hier spricht man auch von „negativer Verstärkung der Übererregung“. Stattdessen: entlasten. Nähe anbieten. Raum verkleinern. Selbst ruhig bleiben.
Hole dir JETZT Hilfe!
Und hier möchte ich dir ganz klar sagen: du darfst Hilfe annehmen, wenn du das möchtest. Niemand muss diese Phase allein durchstehen. Und es ist völlig okay, sich Unterstützung zu holen. Gerade in diesen ersten Wochen ist eine gute Begleitung Gold wert. Denn man kann in dieser Phase wirklich sehr viel richtig machen – oder sehr viel Stress produzieren, der nicht nötig wäre und sich damit Baustellen erschaffen, die das ganze Leben beeinträchtigen
Deshalb habe ich meine Welpenbegleitung so aufgebaut, wie sie heute aufgebaut ist. Nicht als „Erziehungskurs“. Sondern als Begleit-Kurs für den Menschen und den Hund.
Denn ein entspannter Welpe macht einen entspannteren Menschen. Und ein regulierter Welpe hat eine bessere Chance, sich gesund zu entwickeln.
